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Die Kooperation Landungsbrücken & Wöhlerschule zeigt:

Mittwoch 29.08.2012

LandunsgbrĂĽcken Frankfurt, Gutleutstr. 294

 

DIE GERECHTEN

Theater und Schule. Und Camus.

nach Albert Camus // Spielleitung: Nenad Ĺ migoc & Simone Kaliga

Beginn 20:00 | Eintritt tbc

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siehe auch www.landungsbruecken.org

 

 

Und in der Wöhlerschule:

am 29. und 30. August, jeweils um 19 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

Abschlussbericht TUSCHpektakel 2011

 

 

Zum vierten Mal fand am 7. und 8. Juni, erstmalig zweitägig, das TUSCHpektakel als Höhepunkt des Partnerschaftsjahres zwischen Theatern und Schulen statt. Der überwiegende Teil der Kooperationen kommt aus Frankfurt, aber es sind auch eine Offenbacher und eine Langener Schulen dabei sowie eine eigenständige TUSCH-Dependance aus dem Main-Kinzig-Kreis. Wieder einmal, wie auch schon 2009, stand dafür die Naxos Halle (Theater Willy Praml) zur Verfügung. Zwei Spielstätten, ein kleiner, verdunkelter Theatersaal mit Podestbühne und ansteigendem Zuschauer­raum und eine markierte Spielfläche in der großen Halle, standen für die unter­schiedlichen Präsentationen zur Verfügung; im Foyer war auf Stellwänden dokumen­tiert, was die Partnerschaften in diesem Jahr miteinander gemacht haben. Für das Catering sorgte die in der Nachbarschaft ange­siedelte Charles-Hallgarten-Schule, eine Förderschule, die auch für TUSCH bereits Interesse angemeldet hat.

            Auch in diesem Jahr wurde in verschiedenen Blöcken gespielt, so dass immer eine gewisse Zahl von Zuschauern aus den eigenen Reihen garantiert war. Wir ha­ben die Schulformen in diesem Jahr nicht so strikt getrennt, weil wir gerade durch die START-Präsentationen im Oktober/November 2010 die Erfahrung gewonnen haben, dass es durchaus sehr interessant ist, wenn „Große“ „Kleinen“ zuschauen und um­gekehrt. So wurde dieses Jahr lediglich versucht, dass immer mindestens eine glei­che Altersgruppe noch als Zuschauer dabei war. Dass so viele Klassen als zusätzli­che Gäste anwe­send waren, war sehr erfreulich und wir hatten in jedem Block „volles Haus“. Von daher hat sich die Aufteilung auf zwei Tage sehr gelohnt: Zum einen wa­ren die Tage nicht so voll und die Atmosphäre war sehr entspannt, zum anderen konnten wir an beiden Tagen eine hohe Zuschauerzahl verzeichnen.

Der Dienstagnachmittag konnte insofern genutzt werden für etwas Neues bei TUSCH: Es gab einen wissenschaftlichen Vortrag von Prof. Marion Küster von der Hoch­schule für Musik und Theater in Rostock. Sie sprach zum Thema: „Schule und The­ater – eine spannende Beziehung“, der das praktische Tun der TUSCH-Partner noch einmal auf einer theoretischen Ebene beleuchtete und reflektierte. Die Diskus­sion darüber bildete einen guten Übergang zu der danach statt findenden ersten Spiellei­terrunde. Der Vortrag ist diesem Bericht beigefügt; die Ergebnisse der Spiel­leiterun­den werden am Ende zusammengefasst.

Die Mode­ratoren der Nachgespräche stellten dieses Jahr jeweils ein Tandem aus Künstlerin und Theaterpädagogen pro Block, durch das die Dialogstruktur schon von vorne her­ein gegeben war. Zunächst wurden die jungen Spieler befragt, dann das Publikum miteinbezogen und zum Schluss konnten auch die Spielleiter noch et­was zu ihrer gemeinsamen Arbeit sagen. Gerade bei den jüngeren Schülern kam es zu sehr le­bendigen Gesprächen. Jede Gruppe erhielt zum Schluss ein Zertifikat über das TUSCH-Jahr; dieses Mal dargereicht unter vielfältigsten Clownereien durch die Mit­arbeiter des Schultheater-Studios, die Kinder wie Publikum gleichermaßen erhei­tert haben. Grußworte wurden zu Beginn eines jeden Blockes gesprochen: Es spra­chen Albert Zetzsche von Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Andreas Lenz vom Hessischen Kultusministerium, Daphne Lipp von der Stiftung Polytechni­sche Gesellschaft Frankfurt und Karin Heyl von der Crespo Foundation. Darüber hin­aus hatte Joachim Reiss vom Schultheater-Studio, Initiator von TUSCH-Frankfurt, das Wort.

 

Die Partnerschaften werden im Folgenden in der Reihenfolge ihrer Präsentationen vorgestellt – analog zum gedruckten Programm. Der Dienstag begann bei strahlendem Sonnenschein im gut gefüllten Theatersaal der Naxos Halle. Das Publikum wurde begrüßt vom Hausherrn Willy Praml. Zehn Jahre ist er schon mit seinem Theater in der alten Industriehalle, aber seit dem letzten TUSCHpektakel 2009 hat sich einiges getan; vor allem die Toiletten­räume (vor zwei Jahren wurden noch Dixies organisiert) aber auch die neue Zu­schauertribüne und die Sicherheitsstandards haben die Situation in der Halle sehr verbessert. Auch inhaltlich hat sich etwas getan im TWP: seit Neuestem gibt es auch hier die Sparte „Kinder- und Jugendtheater“. Das erste Projekt hieß: „Die Odyssee in einer Stunde“. Lehrerinnen und Lehrer sind herzlich eingeladen, mit ihren Schulklas­sen zu kommen. Willy Praml übergab dann das Wort gleich an den Referenten für Kulturförderung im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Albert Zetzsche, dessen Ministerium von Anbeginn TUSCH gefördert hat und für das kom­mende Jahr diese Förderung noch aufgestockt hat. Er sieht eine gute Bilanz in vier Jahren TUSCH: 16 Projekte jährlich kommen zu Stande und zeigen beim jährlichen SCHpektakel die Ergebnisse ihrer Zusammenarbeit. Viel Energie wird frei, wenn „Heißes“ und „Kaltes“ aufeinander trifft, so sein Bild dafür, wenn Theater in die Schule kommt. Nach seinem kurzen, jedoch sehr herzlichen Statement eröffnete Gundula van den Berg das SCHpektakel.

 

TheaterGrueneSosse & Beethovenschule

Detlef Köhler und Nadja Blickle & Dagmar Winter

 

Das Festival begann mit der Präsentation der Kleinsten; die Theater-AG Jahrgang 2. Die Partnerschaft ist nun im zweiten Jahr und ist in diesem Schuljahr unter denkbar ungünstigen Bedingungen gestartet: Der alte Schulleiter, ein theaterbegeisterter Mann, ging in den Ruhestand; nun musste der Neue, der andere pädagogische Schwerpunkte setzt, für TUSCH gewonnen werden. Viel Überzeugungsarbeit war nötig, den Durchbruch aber brachte eine gemeinsame dreitägige praktische Theater-Fortbildung für alle Lehrenden an der Schule. Im gemeinsamen Spiel, angeregt durch Theaterpädagogen der GruenenSosse, erfuhren sie am eigenen Leib, wie fruchtbar und wichtig Spielfreude ist. Wenn auch jetzt das ganze Kollegium nebst Schulleiter hinter TUSCH steht, so ist die räumliche Situation immer noch als nahezu theaterfeindlich zu bezeichnen. Die Beethovenschule wird umgebaut, von daher fin­det aller Unterricht in Containern statt. Trotzdem; niemand ließ sich entmutigen; die Schule holte das Theater für ein Gastspiel, das die ganze Schule sah („Großer Klaus, kleiner Klaus“) und gemeinsam wurde an und mit dem GrueneSosse-Stück: „Wo die wilden Kerle wohnen“ (ursprünglich ein Bilderbuch) gearbeitet. So denn nun auch der Titel der Präsentation, mit einer Prise Feminismus ergänzt: Wilde Kerle und wilde Mädchen.

Man sah, wie hier aus Übungen kleine Szenen entstanden sind; viel Chori­sches war auf der Bühne zu sehen bei den schwarz gekleideten Kindern. Eigene Vorstellungen von „wild“ sein oder auch ungezogen sein wurden hier theatral verar­beitet. Laut sein, wütend sein, Haare ziehen oder in der Wohnung Fußball spielen, das ist „wild“. Und: den anderen dann auffressen. Es ging dann um eine Reise in ei­nem Schiff, das lediglich durch ein Seil angedeutet wurde; das Meer bestand aus rauschender Abdeckplane. Das Ziel: Da, wo die wilden Kerle wohnen. Und die waren in der Tat furcht einflößend: Fletschende Zähne, rollende Augen, wieder wurde alles von allen Kindern dargestellt. Aber so lange wollte man gar nicht da bleiben; irgend­wann setzte das Heimweh ein und die Sehnsucht nach der Familie und dem guten Essen. Also hieß es: wieder umkehren, über das Meer heim! Offen blieb, wie lange die Reise dauerte – irgendetwas zwischen einem Traum, zwei Stunden oder zwei Jahren, beschlossen Spieler und Publikum im Nachgespräch dann gemeinsam. Es war den Kindern anzumerken, dass ihre eigenen Ideen auf der Bühne sichtbar wur­den. Warum sie schwarz tragen? Ist doch logisch, sie müssen ja viele Personen spielen und so schnell kann man sich doch gar nicht umziehen! Und am Ende? Da waren ja alle die Hauptfigur Max. Ob sich nicht wilde Kerle von wilden Mädchen un­terscheiden würden? Klar, denn Jungs sind Jungs und Mädels sind Frauen. Wir sind gespannt auf die gender-Entwicklung in der Beethovenschule!

 

 

Schnurztheater & Erich-Kästner-Schule

Ekkehart Voigt & Elisabeth Salb-Hermann und Bernd Petrich

 

Mit nur ganz wenig Sprache kommt die Theater-AG des Jahrgangs 3 in der Präsen­tation von „unterwegs“ aus. Alle Schüler betraten gemeinsam die Bühne; ein Floh biss einen, alle wurden angesteckt; es kribbelte auch schon bald den Zuschauer. Endlich kam der Bus; alle steigen ein; zwei Stuhlreihen werden flink besetzt. Die Partnerschaft, bereits im dritten Jahr, hat sich eine Busreise erdacht, bei der es nicht wie jeden Tag in die Schule geht, sondern die Busfahrerin beschließt, immer neue Orte aufzusuchen; den Zoo (wobei das Publikum hier die „Tiere“, die fotografiert wer­den, darstellt), dann folgt ein Abstecher ins Weltall (wobei die Darstellung der Schwe­relosigkeit am überzeugendsten war). Es war eine Werkstattschau; das Stück ist noch nicht fertig, die Schule wird selbst für die finanziellen Mittel aufkommen, um den Theaterkünstler zumindest noch das nächste Jahr weiter zu fördern. Die phantasie­voll gestaltete Arbeit unter einer schwarzen Folie (gelegentlich ragten Röhren her­aus) blieb geheimnisvoll; jeder durfte sich denken, was da wohl unter der Folie los war. Auf jeden Fall entstanden dadurch tolle Bilder, die die Phantasie der Zuschau­enden anregten. Fortsetzung folgt! Im Nachgespräch wurde dann auch heftig speku­liert, die Spieler rätselten mit; das Stück ist halt noch nicht fertig! Aber es gibt ja noch das nächste Schuljahr; so schnell lassen die Lehrer und die Schülerinnen ihren Künstler nicht gehen. Und so wird er, wie auch in den vergangenen Jahren, die Stü­cke seines Theaters in der Schule spielen und allen dort ein gerne gesehener Gast sein.

 

Schauspiel Frankfurt & Ludwig-Börne-Schule

Martina Droste & Katja Struth

 

Auch im dritten Jahr ihrer Partnerschaft befindet sich die Ludwig-Börne-Schule. In den letzten beiden Jahren gab es große Projekte. Für dieses Jahr hatte sich die Gruppe ein kleines Projekt gewünscht: Die Jugendlichen befanden sich in der Ab­schlussphase ihrer Schulzeit; wollten aber noch einmal einen Workshop, am liebsten im Theater, machen und noch einmal gemeinsam auf der Bühne stehen, bevor sich ihre Wege trennen. So ein kleines Projekt ließ sich auch gut realisieren; zumal es zu Beginn des Schuljahres nicht klar war, ob das Schauspiel überhaupt in diesem Schuljahr Kapazitäten für zwei Partnerschaften hatte; Martina Droste nahm ihre Ar­beit ja erst im November letzten Jahres auf und blieb bis in den Mai 2011 einzige Theaterpädagogin am Schauspiel. So kam der Wunsch nach einem kleinem Projekt allen entgegen; in einem vierstündigen Workshop trainierte die Theaterpädagogin mit den Schülern, die mit ihrer Klassenlehrerin und dem mittlerweile an der Börne-Schule beschäftigten Theaterpädagogen Georg Slimistinos schon Vorarbeit geleistet haben.

Die drei Jahre Erfahrung merkte man den Schülern auch an; sie zeigten eine erstaunliche Wucht und Präsenz auf der Bühne. Zwei Schüler begannen mit einer Beatbox und einer Toninstallation; der Rest tanzte auf Stühlen. Die nächste Sequenz war sehr leise und anrührend: Jeder erzählte einen Satz, der mit den Worten: „Als ich noch ein Baby war…“ begann. Dann kam die Schulzeit. Jeder kennt die Typen, die Gruppierungen. Teils chorisch, teils getanzt, teils dialogisch kreierte die Gruppe so­fort die Atmosphäre einer Schulklasse. Und dann die Zukunft: Klar, Superstar! Sich selbst auf den Arm nehmen hat den Schülern offensichtlich sehr viel Spaß gemacht; bei ihrem chorisch gebrüllten „Abschluss“! kam soviel Kraft und Lebensfreude rüber, das vehement dem Klischee „Hauptschule“ widersprach. Das Publikum nahm die Präsentation mit Begeisterung auf; vor allem die vielfältigen Tanzeinlagen von Samba bis hiphop, kamen gut an.

 

Schultheater-Studio & Ludwig-Börne-Schule

Nikolas Hamm & Elisabeth Menelaus und Georg Slimistinos

 

Dadurch, dass das Projekt mit dem Schauspiel Frankfurt aus den oben genannten Gründen dieses Jahr eher klein ausfiel, konnte die Schule ihre Kapazitäten noch für eine weitere Partnerschaft nutzen und TUSCH konnte sich an dem Comenius Projekt The Youth Video Museums Partnership, das vom Schultheater-Studio initiiert wurde und die Städte Athen und Frankfurt zusammen brachte, beteiligen. Der „hauseigene“ Theaterpäda­goge der Börne-Schule hat mit einer Lehrerin und Schülern Videos gedreht, bei de­nen die Frage: „Was lohnt sich, von unserer Stadt für die Zukunft aufbewahrt zu wer­den?“ im Zentrum stand. Das hierbei entstandene „Erste interak­tive Videomuseum seiner Art“ lief im Foyer der Naxos Halle auf drei Monitoren. Die gesamte Arbeit der Schule daran konnte am 17.6. im Schultheater-Studio ange­schaut werden, als alle vier an diesem Projekt beteiligten Frankfurter Schulen ihren Präsentationsnachmittag durchführten.

 

Theaterassoziation/GrenzArt & Georg-August-Zinn-Schule

Walter Ybema & Angelika Klingele

 

Das TUSCH-Projekt ist im zweiten Jahr und findet derzeit in der Jahrgangsstufe 6 statt. Nach ersten Erfahrungen im vergangenen Schuljahr hat sich die Schule ent­schlossen, Theater im Rahmen von „ästhetische Bildung“ zum festen Bestandteil des Unterrichts zu machen. Im Jahrgang 6 können die Schülerinnen und Schüler nun­mehr zwi­schen Musik, Theater und Kunst wählen. Der Erfolg des vergangenen TUSCH Jahres ist vor allem darin zu sehen, dass inzwischen nicht nur die Schullei­tung sondern auch eine sehr große Anzahl von Lehrerinnen und Lehrern die Thea­terarbeit aktiv unterstützt.

Die Kinder des diesjährigen Kernprojektes kommen aus allen vier sechsten Klassen. Die Gruppe hat sich mit dem Thema Vergangenheit und Zukunft beschäf­tigt. Ein Schüler hat auf die Frage, was denn Zukunft wäre, ge­antwortet: „Das ist dann, wenn die Gegenwart Vergangenheit geworden ist.“ Auf­grund der besonderen Situation, die die taghelle Naxos Halle mit sich bringt, haben die Schüler die Teile ihrer Produktion, die mit besonderen Lichteffekten arbeiteten, nicht zeigen können. Dennoch gab uns die Präsentation einen guten Einblick in die Art der Theaterarbeit, die hier geleistet wurde.

Erstmal überlegten die Schüler im Halbkreis, ob sie überhaupt anfangen woll­ten, entschlossen sich dann doch dazu und begrüßten das Publikum jeweils in ihrer Muttersprache. Die Jungen trugen alle schwarze Hosen und weiße Hemden; die Mädchen waren sommerlich gekleidet. Schwarze, gelbe und grüne Hocker dienten als Sitzfläche oder als Trommeln; eine Abdeckfolie kam in verschiedenen „Rollen“ vor, letztlich aber blieb sie „…eine Abdeckfolie, zwei mal vier Meter, zum Abdecken von Möbeln beim Renovieren.“ Das Spiel mit dem Requisit und der Realität zeigt hier eine besondere Handschrift des Theatermachers. Die Zeitreise führte zum einen in die Vergangenheit griechischer Mythologie (Göttinnen im Schönheitswettstreit, die fürchterliche Medusa, die das Chaos scheut und die Pünktlichkeit proklamiert). Antike Kriegsschauplätze werden assoziiert mit heutigen: Afghanistan, Italien, England, Deutschland, Marokko, wobei im Nachgespräch deutlich wurde, dass diese Länder die Herkunftsländer der Darsteller sind; Kriege dort zum Teil imaginiert. Dass sich nicht so viel ändert im Laufe der Geschichte zeigt das Jahr 2015: Auch hier wieder Wettbewerbe unter den Schönsten; zwischendurch ertönt: „O sole mio“. Alles endet in einem Krieg, in dem alle umkommen; so reist man doch lieber wieder zurück in das Jahr 2011, um hier zu retten, was noch zu retten ist, und so miteinander umge­hen zu lernen, dass die apokalyptische Vision nicht Wirklichkeit wird. Diese Eigen­produktion ist entstanden aus den Ideen der Kinder und in Gang gebracht durch den Hörtext: „Wie Schmetterlinge entstehen“. Für das nächste Schuljahr hat sich die Partnerschaft eine noch stärkere Berührung von Theater auch in anderen Fächern vorgenommen. Über die wöchentlichen zwei Stunden hinaus sollen im kommenden Schuljahr häufiger ganztägige Proben stattfinden. Die Schüler, die nicht am Theater­kurs teilnehmen, sollen durch kleinere Aufführungen zu Themen aus den Bereichen: Sprache (Englisch, Deutsch), Mathematik, GL, Naturwissenschaften u.a. von der Theaterarbeit profitieren. Die Lehrer aus den Bereichen Musik, Sport und Kunst wol­len ihre Schüler an einer Abschlussaufführung beteiligen.

 

Katakombe & Carlo-Mierendorff-Schule

Birgit Reibel & Brigitte Pommerening

 

Diese Partnerschaft besteht erst seit diesem Schuljahr, aber ist enorm umtriebig. Die Künstlerin arbeitet mit zwei Gruppen (6 a und 6c), insgesamt standen im Kernprojekt über 50 Kinder auf der Bühne. Unterrichtet wird im Gemeinsamen Unterricht, das heißt, dass auch Kinder mit Behinderung dabei sind. Alle sechsten Klassen waren bereits im Kindermuseum, in dem Birgit Reibel auch arbeitet, und haben dort einen Lichtworkshop gemacht. Die gleichen Klassen waren auch zu einem Aufführungsbe­such im Schauspiel (Ronja Räubertochter), da in der Katakombe kein Stück für diese Altersgruppe auf dem Spielplan stand. In der nächsten Spielzeit ist aber auch dort ein Besuch geplant: Goldonis „Der Lügner“. Geprobt haben die Schüler aber schon in der Katakombe; Workshops und Führungen gemacht. Der Partnerschaft ist eine Ver­zahnung der Fächer Kunst, Musik und Theater ganz wichtig (die Lehrerin unterrichtet all diese Fächer).

Der Titel der SCHpektakelproduktion ist viel versprechend: Die Verwöhn­schwebethronreinigungsmaschine. Zwei Erzähler sprachen abwechselnd durch das Mikrofon: Es ging um einen Tagesablauf; zu jeder vollen Stunde passierte etwas. Das gab der Eigenproduktion eine Struktur. Die Kerngeschichte: Eine Putzfrau stiehlt und wird am Ende des Tages verhaftet, nicht ohne vorher noch mit dem König zu­sammen getroffen zu sein. Im Hintergrund kleben viele selbst gemachte Plakate: Es geht um DSDS, die „Devil’s Angels“, dort hängt eine Pappuhr. Unterlegt ist die Story mit reichlich Musik: Airplan’s „Wish right now“, ein Junge singt „Time of my Life“, es gibt Rap und Rock n’ Roll und ein Frankfurter Checker singt „Higher“ (I can’t get enough). Im Mac Donald’s gibt es Quietscheburger und 6 Monster; eine Übung hier im Chorischen Arbeiten. Am Ende entschei­det das Publikum über den größten Star. Die beiden Klassen haben, so hat das Nachgespräch ergeben, zunächst einzeln ge­arbeitet und dann ihre Ideen zu einem Stück zusammengesetzt. Schön, dass die Riesentruppe auch zusätzlich noch so viele Lehrer, Eltern und Integrationshelfer (in den Klassen wird im Gemeinsamen Unterricht gearbeitet, das heißt, behinderte Schüler lernen mit Nicht-Behinderten) mitgebracht hat. Das nächste Jahr wird wieder spannend: Birgit Reibel spielte bereits „Ameleya und der Rattenkönig“ in der neuen Cafeteria der CMS – für Viertklässler, die künftig die CMS besuchen werden.

 

Tanzplan_21/Mousonturm & IGS Herder

Johanna Milz und Hannah Dewor & Arne Gebhard

 

Die Herderboys (Jungen aus den Jahrgängen 5 bis 7) der Integrierten Gesamtschule waren besondere Gäste beim SCHpektakel. Die TUSCH-Förderung war bereits im letzten Jahr zu Ende gegangen, aber das SCHpektakel ist ja auch eine Plattform für alte Partnerschaften und von daher war es sehr schön, wieder in Kontakt zu kommen mit den Tanzboys, die in ihrer 20minütigen Performance das Publikum wieder einmal beeindruckten. Tanz, Akrobatik, Kampffiguren, HipHop und Johnny Cash, im Stehen, Sitzen oder Liegen – nichts, was sie nicht mit einer ausgearbeiteten Choreographie bearbeiten können – selbst die Verbeugung am Ende war choreographisch durchge­stylt. Besondern eindrucksvoll: Tanzsequenzen ohne Musik oder Geräusche. Ein wenig Geschlechterkampf kam auf im Nachgespräch: Wieso gibt es keine Mädchen? Tanzen Jungs anders als Mädchen? Klar wurde, es geht nicht darum, dass Jungs HipHop tanzen und für Mädchen das Ballett reserviert ist; nur im Ausprobieren könnten wir sehen, wie eine „Herdergirls“-Gruppe auf das Publikum wirken könnte…

 

Dramatische BĂĽhne & Sophienschule

Sarah Kortmann & Julia Kehr

 

In diesem zweiten Jahr der Partnerschaft ist der Kunstunterricht stärker in die Arbeit miteinbezogen worden. Alle Kostüme und Requisiten sind selbst hergestellt; und das bei einer Zeitmaschine, die vom Neandertaler (mit Knochen im Haar) bis weit in die Zukunft (Laserschwerter und Zahlen statt Namen) reicht! Die Tonkulisse kommt von einem Schüler am Keyboard. Auch hier ist wieder eine ganze 9. Hauptschulklasse nach ihren Abschlussprüfungen zu sehen. Rahmen war das Fach „Soziales Lernen“ (und verstärkt der Kunstunterricht). Eine ganze Schulklasse für ein Theaterprojekt zu begeistern ist schon eine Herausforderung. Schwierig auch, die Bockenheimer ins Theater zu locken: Die Dramatische Bühne lud zum kostenlosen Aufführungsbesuch, dennoch; viele der Mädchen durften nach 20 Uhr nicht mehr außer Haus sein; die Jungen hatten anderes vor. Die Theaterarbeit mit Sarah habe aber trotzdem allen riesigen Spaß gemacht. Das sieht man auch der kurzen, aber knackigen Präsenta­tion an: Unglaublicher Witz (Handschrift der Dramatischen Bühne) – beispielsweise beim Autocrash in der Steinzeit nur ein lakonisch-erstauntes: „Aua“, der running-gag „Torsten“, der in jeder der von der Zeitmaschine angesteuerten Zeit vorkam, oder das Mittagsgericht des zerstreuten Professors, der die Zeitmaschine gebaut hat: Rinder­hoden mit Pudding. Heraus stellte sich, dass der Professor nur einen Traum hatte – zwischen zwei Essensrufen seiner Frau. Für das kommende Jahr steht noch nicht ganz fest, welche Gruppe der Sophienschule das Kernprojekt macht; die Klasse von heute wird in alle Winde verstreut sein. Es hat aber bereits erste Treffen mit einer 6. Klasse gegeben, die mit ihrem Klassenlehrer die Partnerschaft gerne fortsetzen wür­den.

 

theaterkurt & Adolf-Reichwein-Schule

Georg Bachmann & Stefanie Mongel

 

Beim SCHpektakel gab es nur einen Ausschnitt der etwa einstündigen Produktion der Theater AG Klasse 5 der Gesamtschule. Im März ist das Stück bereits zweimal in der Stadthalle Langen gelaufen und einmal noch im Mai beim Frühlingsfest. Bis No­vember 2010 hat die ganze Klasse mit dem Theatermacher gearbeitet; dann ist eine AG entstanden. Die Gruppe hat eine Textvorlage genommen: „Eine Nacht im Feb­ruar“ von Staffan Göthe. Auf der Bühne: ein riesiges Bett. Darin: Ein schlafender Schüler unter der Bettdecke, der auch das ganze Stück über dort liegt und erst zum Schlussapplaus sichtbar wird. Typische Bachmann Komik wird deutlich, wenn er sich von den Kindern im Stück selbst auf die Schippe nimmt („Mann, Bachmann, was für eine Regie!“), morgen mit tomorrow „verwechselt“ wird und clowneskes Körperthea­ter sichtbar wird, etwa, wenn die Kinder alle einen imaginären Hang herabsausen oder jemandem einen „Gedanken“ in Form von riesigen Balken aus dem Mund zie­hen.

Die Geschichte bearbeitet ein bürgerliches Trauma: Einem Jungen ist die teure Thermoskanne des Vaters bei einem Skiausflug zu Bruch gegangen, und er traut sich nicht, zu „beichten“. Dafür hat er Phantasien (Gedanken, die von Kindern gespielt werden ist ein durchgängiges Motiv in dem Stück), die über die Konfrontation mit dem Vater, Ideen, wegzulaufen bis zur eigenen Beerdigung, bei der alle ganz traurig sind und die Thermoskanne vergessen haben, reichen. Ein halbes Jahr haben die Kinder jeweils 3 Stunden wöchentlich an dem Stück gearbeitet; vieles ist aus Übungen und Spielen entstanden. Neben den wunderbaren Erzählerinnen lebt das Stück von einem guten Gefühl für Bewegung, Rhythmus, Körpersprache und einer großen Menge Spaß. Die Schulleiterin ist sehr darum bemüht, das Fach Theater durch so genannte Theaterklassen in ihrer Schule zu etablieren; mit diesem Projekt ist ein hervorragender Anfang gemacht! Im nächsten Jahr, das steht bereits fest, geht die Partnerschaft mit anderen Kollegen weiter.

 

Freies Theaterhaus Frankfurt & Elsa-Brändström-Schule

Simone Fecher und Gordon Vajen & Christel Euler und Heidi Fanciszczok

 

Die Partnerschaft besteht seit dem laufenden Schuljahr; seit Oktober arbeiten die Kinder der Theater AG Jg. 4 an den Abenteuern des Odysseus, diesmal nicht nur mit den beiden Lehrerinnen, sondern zusammen mit den Theatermachern. Das ist eine ganz neue Erfahrung, vor allem, weil die eine Theaterlehrerin, die das Fach nun seit mehr als 20 Jahren unterrichtet, bislang ausschließlich Eigenproduktionen entwickelt hat. Die Idee, sich dem antiken Text, seiner Sprache und seiner Motive zu widmen, war somit ein Experiment. Grundlage war die Voss’sche Übersetzung aus dem Jahre 1789.

Die Kinder lernten die Geschichten und deren Protagonisten kennen, schlüpf­ten in die unterschiedlichen Rollen, probierten Körpersprache und Haltungen und näherten sich so den zu spielenden Figuren. Mit großem Engagement stellten sich die Kinder den Herausforderungen dieses historischen Stoffes mit seiner besonderen Sprache. Heraus kam kein fertiges Stück, sondern eine Szenencollage. Gezeigt wurde: Die Heimreise des Odysseus nach dem Trojanischen Krieg, Odysseus auf der Insel Äolia bei Äolos, dem König der Winde, Odysseus bei der Zauberin Kirke auf der Insel Ääa und zum Schluss die Begegnung mit Polyphemos auf der Insel der Kyklopen.

Der literarische Ursprung der Szenen wurde durch ein dickes Buch, das auf einem Notenständer stand und aus dem der Erzähler zu Beginn jeder Szene vorlas, deutlich. Die Kinder trugen Kostüme, Toga ähnliche Gewänder über schwarzer Klei­dung. Odysseus unterschied sich lediglich durch eine blaue Binde von den anderen, bei Spielerwechsel wird die Binde dem anderen übergeben. Viel Chorisches war zu sehen, wenn beispielsweise die „Winde“ zu Vivaldis „Herbst“ mit bunten Tüchern tanzten oder die gesamte Mannschaft zu Schweinen verzaubert wurde. Selbst wenn sie Schafe spielten, war ihr Spiel hoch konzentriert und ernst. Die Inszenierung kommt mit wenigen, aber sehr gezielt eingesetzten Mittel aus: Blaues Licht in der Höhle des Polyphemos, ein Tau markiert das Schiff, die Wunde des Kyklop wird durch ein rotes Tuch gezeigt. Beim Schlussapplaus wird jedes Kind namentlich von einem anderen vorgestellt. Im Nachgespräch kam noch einmal die Probenform zur Sprache; alle haben alles ausprobiert und zum Schluss hat jeder seine Rolle gefun­den. Die Gruppe erhielt viel Lob; einerseits dafür, dass sich Viertklässler so gut ei­nem antiken Text stellen, aber auch für die vielen spannenden Momente wie die Verwandlung in Schweine oder die Blendung des Kyklopen.

 

Musical Theater Ensemble & Georg-Lichtenberg-Oberstufen-Gymnasium

Benjamin Baumann & Sabine Söll

 

Mit dieser Partnerschaft ist es gelungen, eine „TUSCH-Dependance“ im Main-Kinzig-Kreis zu etablieren. Dank der Leiterin des Amtes für Kultur und Sport des Kreises in Gelnhausen, Renate Nettner-Reinsel, die heute aus familiären Gründen leider ver­hindert war, ist die Partnerschaft zu Stande gekommen, die zwar finanziell von TUSCH-Frankfurt unabhängig ist, sich aber den Grundsätzen von TUSCH-deutsch­landweit verpflichtet fühlt und bei den Frankfurter Veranstaltungen dabei ist. Ihr in der Hanauer Presse sehr wohlwollend besprochenes abendfüllendes Musical „Summer Lovin’“ (nach dem Musical „Grease“) hatte bereits im Mai Premiere und wird auch im Juni noch einmal aufgeführt. Neben dem Regisseur war noch die Choreographin Anita Vidovic beteiligt. Thomas Lorey hatte die musikalische Leitung inne.

Für uns hat die Partnerschaft ein kurzes Medley zusammengestellt, das einen guten Einblick in die Arbeit der 12.klässler gab. In Kostümen der 50er Jahre sangen ein Schüler und eine Schülerin zumindest den älteren aus dem Publikum wohl be­kannte Melodien aus den 70ern. Es wurde im Duett oder auch alleine gesungen. Den Schluss bildete das wohl bekannteste Duett aus „Grease“ „You’re the one that I want“, wobei die Schülerin nun als Rockerbraut auftrat. Schade, dass nur zwei der vielen beteiligten Schüler gekommen sind; die Darstellung hätte sicherlich mit mehr Personal lebendiger gewirkt. Spaß gemacht hätte es allen, so versicherten die bei­den, die Szenen unter professionellen Bedingungen mit Gesang, Tanz und szeni­scher Arbeit zu verknüpfen und sie zu einem Ganzen zusammen zu setzen. Ein gan­zes Musical so auf die Beine zu stellen, war eine Riesen-Herausforderung für die Gruppe.

 

Schauspiel Frankfurt & Carl-Schurz-Schule

Martina Droste & Jeanette Kaupp und Jens Kreiker

 

„Sozialistische Schauspieler sind schwerer von der Idee eines Regisseurs zu über­zeugen“, so der Titel des Stückes von René Pollesch, mit dem sich die Schülerinnen und Schüler der zwei 12er DS-Kurse zunächst auseinandersetzten. Das Thema „Schauspieler“ stand im Vordergrund und zwar zum einen als möglichen Lebensent­wurf für die Schüler selbst, als auch in der Auseinandersetzung mit wirklichen Schauspielern vom Schauspiel. Die Theaterpädagogin Martina Droste trat ihren neuen Arbeitsplatz erst im November an und stürzte sich in die Arbeit mit den über­aus motivierten Lehrern und Schülern der Schule – die Schüler waren beispielsweise so begeistert von der Arbeit René Pollesch’, dass sie kurzerhand mit ihm über das Internet Kontakt aufgenommen haben. Die Arbeit mit dem Schauspiel war vielfältig: szenische Einführung in das Stück, Vorstellungsbesuche, Führungen hinter die Ku­lissen des Schauspiels mit Werkstätten, Schauspielerinterview mit Constanze Becker und Moritz Pliquet. In Begleitung von Mitarbeitern verschiedener Abteilungen (Dra­maturgie, Öffentlichkeitsarbeit, Pressearbeit, Bühnenbildassistenz, Kostümassistenz) und Teilnahme an einer Beleuchtungsprobe im großen Haus. Auch ein Kurs aus dem Jahrgang 11 war dieses Jahr an der Kooperation beteiligt. Die Schüler haben sich ein Spieltraining mit dem Schwerpunkt „Stimme und Präsenz“ gewünscht. Mit diesem Trainingsschwerpunkt gab es eine spielpraktische Einführung zum Stück „DNA“, ei­nen Vorstellungsbesuch und ein Gespräch mit dem gesamten DNA-Ensemble.

Das Kernprojekt aber blieb die Arbeit mit den Kursen aus dem Jahrgang 12 und die Arbeit am Thema „postdramatisches Theater“. Für die Präsentation wurden assoziative Szenen und Videosequenzen mit postdramatischen Elementen in der Auseinadersetzung mit dem Thema „Traumberuf Schauspieler?“ entwickelt und auf 7 Beamerwänden in der großen Naxos Halle gezeigt. Zum Glück standen in der Halle noch von der letzten Produktion riesige Stellwände da, die, auf unbürokratische Weise, rasch mit weißen Stoffen aus dem Schauspiel und dem Schultheater-Studio behangen wurden. An 7 Stationen nun konnten man die vielfältige Auseinanderset­zung mit dem Thema sehen; ein für das Publikum, das vorher lange gesessen hatte, durchaus gelungenes Experiment, besonders da, wo die spielenden Schüler in Inter­aktion mit den Videos traten, wobei die szenische Arbeit immer in der Eigenregie der Schüler lag. Alle Stationen befassten sich mit dem „Schauspielen“, da ging es um Casting, ein Räuber stahl den Menschen die Stimme, Statements zum Schauspieler wurden theatral umgesetzt und ein Action-Video beschreibt den Beruf vorwärts und rückwärts. Für die überwiegende Zahl der Schüler, so das Ergebnis der Auseinader­setzung, ist Schauspieler nicht der Traumberuf; eher noch Voltigieren, Kampfsport­arten, Imkern oder Regie führen. Vielleicht kann als Motto über die ganze Arbeit der Schüler ein Satz im Sinne Alexander Kluges aus einem der Videos stehen: „Ist das wahr? Nein! Es ist Fiktion und deshalb wahrer als die Realität.“

 

THEATEReMOTION & Friedrich-Ebert-Schule

Claudio Vilardo & Ingrid Apel

 

Bei dieser Partnerschaft geht es in erster Linie darum, mehr Theater in die Gesamt­schule zu bringen. Ein Jahr lang hat eine ganze Klasse 8 im Rahmen von „Soziales Lernen“ an Motiven aus „Romeo & Julia“ geprobt; heute zeigten sie ihr Ergebnis. Schwarz-Blau die Montagues, Weiß-Rot die Capulets  und Weiß-Gelb traten die die Bürger auf. Hier ist bereits die Grundlage für Chorische Arbeit gelegt; vieles wurde im Chor gesagt. Bekannte Figuren tauchten auf: Benvolio und Mercutio, Lady Capulet, die Amme, Julia und Tybalt. Auf dem Maskenball treffen Romeo und Julia aufeinan­der, werden aber sofort vom Chor getrennt. Das Stück rutscht in die Gegenwart: Eine Tochter aus gutem Hause verliebt sich in einen Asylanten-Sohn. Hier haben die Schüler den Schwerpunkt ihrer Shakespeare-Interpretation gesetzt und sich mit ei­genen Vorstellungen von „verbotener Liebe“ auseinandergesetzt. Der Gegenwarts­bezug wurde allerdings bereits am Anfang deutlich bei dem Dialog: „Was hat Julia?“ „Ihr geht es nicht gut.“ „Was hat sie?“ „Sie ist 14.“ Der Schluss: Alle halten sich an den Händen und verkünden eine gute Botschaft. Eine große Klasse mit 27 Schülern gleichermaßen für die Theaterarbeit zu interessieren, war ein ganzes Stück Arbeit, so kam es im Nachgespräch zur Sprache. Gerade das Chorische hat den Schülern Si­cherheit gegeben. Der Theatermacher und die Lehrerin streichen noch einmal die soziale Wirkung von Theaterspielen in der Klasse heraus: Es hatte zu Schuljahres­beginn einzelne, auch zum Teil verfeindete Gruppen in der Klasse gegeben, nun sind sie durch das gemeinsame Spiel zu einer Gemeinschaft herangewachsen.

 

Schultheater-Studio & Hans-Böckler-Schule

Marco Schkoda & Petra Asal und Daniela Strauch

 

Erstmalig in dieser TUSCH-Zeit wurden auch Berufliche Schulen mit einbezogen. Die Hans-Böckler-Schule hat einen Schwerpunkt im Bereich Justiz und Verwaltung; im kommenden Schuljahr wird es ein TUSCH-Projekt mit Justizfachangestellten geben. In diesem Jahr allerdings lag das Augenmerk auf einer EIBE-Klasse. EIBE ist ein von der EU gefördertes Projekt zur Integration jugendlicher Migranten. Allen Schülern gemein ist, dass sie erst seit kurzem in Deutschland sind und einen Schulabschluss anstreben. Sie sind zwischen 16 und 18 Jahre alt und haben mit einer Lehrerin, einer Sozialpädagogin und einem Theaterpädagogen gearbeitet. Ihr ursprüngliches Ziel war es, nach Ausdrucksformen auch jenseits von Sprache zu suchen; mittlerweile sind sie selbstbewusster und können auch mehr deutsch, so dass sie gut in der Lage waren, das Stück mit deutschen Sätzen und Sätzen aus ihrer Herkunftssprache zu durchsetzen.

Mit enormer Komik und guten Gespür für Tempo haben die Schüler ihre Prä­sentation dargebracht. Das Handy: erst wurde es einem geklaut; eine massive Ge­waltszene droht, dann schwenkt die Situation um; alle haben plötzlich ein Handy und telefonieren damit. Dann zeigen sie, was ein Handy noch alles sein kann; hier wird deutlich, wie aus theaterpädagogischen Übungen „Umgang mit einem Requisit“ wit­zige Szenen entstehen können. Immer wieder gibt es neue Wendungen, der Zu­schauer ist jedes Mal überrascht, am stärksten wohl, als hinter einem schwarzen Tuch plötzlich eine romantische Restaurantszene zwischen einem jungen Mann und einem  - Trüffelschwein! (Jennifer) sichtbar wird. Ein Kumpel kommt vorbei – und zeigt sich wahnsinnig eifersüchtig; ER will mit dem Schwein ausgehen; wieder kommt es (fast) zur Schlägerei, als die Situation wieder kippt und das Handy des Liebhabers zum Ganzkörperrasierer wird; im Schambereich dann  mit einem Schild: „Ab 18 Jah­ren“. Und dann ging es noch um die Liebe; im Tanz oder auch aus dem Kreis heraus, aus dem immer wieder ein neues Paar hervorschnellte und über ihre Liebe sprach. All die Szenen stammen aus dem Alltagsleben der Schüler und sind selbst entwi­ckelt, wobei sich die Handschrift des Theaterpädagogen nicht verleugnen lässt: So­viel Witz und Absurdität ist jedoch vollkommen angemessen für Schüler diesen Alters und man hat deutlich gespürt, dass sie selbst auch dahinter stehen und die zum Teil skurrilen Inszenierungsideen mit tragen. Am meisten Spaß gemacht aber hat den Schülern die Szenen, in denen sie in ihrer Muttersprache (polnisch, eritreisch, chine­sisch) gesprochen haben, weil es eine witzige Erfahrung ist, auf der Bühne zu stehen und zu reden in dem Bewusstsein, dass kaum einer versteht, was sie sagen. So kre­ativ mit Kommunikationsschwierigkeiten umzugehen ist sicher ein guter Weg in die Integration.


 

Antagon & Viktor-Frankl-Schule

Daniela Christ & Manuela Staab und Winfried BoĂź

 

Nachdem die Kooperation wegen personeller Umbesetzung am Theater zwei Jahre geruht hat, ist nun erstmalig mit den älteren Schülerinnen und Schülern der Schule ein Projekt gelungen. Alle diese jungen Erwachsenen haben sonderpädagogischen Förderbedarf und sind in der Berufsorientierungsphase im Rahmen der Schulzeit­verlängerung. Sie können ein wenig lesen und schreiben, und sind körperlich nicht so stark beeinträchtigt wie die jüngeren Schüler der Viktor-Frankl-Schule am Dorn­busch. Die Dependance der BO liegt in den Räumlichkeiten der Ernst-Reuter-Schule II und bietet vielfältige Möglichkeiten des Erwerbs praktischer Fähigkeiten. Seit drei Jahren helfen diese Schüler uns bei den TUSCH-Veranstaltungen, indem sie für das Catering sorgen. In diesem Jahr allerdings haben sie selbst präsentiert; da ist die Charles-Hallgarten-Schule mit Speis und Trank eingesprungen.

Essen und Trinken – das war auch ein gemeinsamer Ausgangspunkt für die Partnerschaft. Die Theatermacher des Aktionstheater Antagon arbeiten und leben ja gemeinsam; da war es für den Beginn einer Kooperation selbstverständlich, erstmal miteinander zu speisen, und zwar in den Räumen von Antagon. Die, im übrigen sehr scheuen und zurückhaltenden Schüler, duften Kostüme und Requisiten ausprobie­ren, es kam zu ersten Improvisationen. Bei Partnerschaften mit Antagon, einem The­ater, das sehr viel anderswo tourt, sind ganz genaue zeitliche Absprachen zu treffen, damit gemeinsame Termine zu Stande kommen können, was die vielen Prakti­kumstermine der Schüler, die hinzukommen, auch nicht einfacher macht. Immerhin haben sie es alle geschafft, neben dem Kennlerntreffen Intensivprobentage einzu­richten, deren Ergebnis wir heute gesehen haben. Unter Stimmengewirr kamen alle 22 Schüler auf die Bühne; sie trugen eine Zeitung in der Hand, die sie genüsslich zerrissen. Zwei Windmaschinen (unbedingtes Muss bei Antagon) bliesen die Schnip­sel davon. Alle legten sich schlafen; dann begann ein Tag. Zuerst mit tänzerischen Bewegungen, dann machten die Schüler jeweils nach, was die fünf Aantagon­schauspieler, die mit auf der Bühne sind, vormachten: torkeln, Obst greifen und es­sen, eine Raubkatze sein. Bei den vielen Luftballons, die noch auf die Bühne kamen und bespielt wurden, kamen auch die Windmaschinen noch einmal zum Einsatz. Für die Schülerinnen und Schüler war es heute das erste Mal, dass sie sich auf einer Bühne präsentierten; für das nächste Jahr haben sie sich kleine szenische Einheiten vorgenommen

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Theater Willy Praml & Wilhelm-Merton Schule

Tim Stegemann & Merilin Karalliu

 

Auch bei dieser Gruppe haben wir es mit einer EIBE-Klasse zu tun. Nur sieben Mal haben sich die Partner getroffen. Es ist etwas passiert, was bei TUSCH relativ selten vorkommt: eine zunächst gut besprochene, ideenreiche Partnerschaft ist nach vielem Hin und Her letztlich nicht zu Stande gekommen. Das war sehr bedauerlich, jedoch fanden wir Abhilfe: Das Theater Willy Praml, in dessen Räumlichkeiten immerhin das SCHpektakel statt findet, ließ sich auf das Wagnis einer kurzfristigen Partnerschaft mit einer Schule ganz in der Nähe ein. Gewöhnungsbedürftig schon für den Schau­spieler Tim Stegemann, der in den letzten drei Jahren maßgeblich die Partnerschaft zwischen dem Theater und einem Schwalbacher Gymnasium mitgestaltet hat, an dem er ausschließlich mit Oberstufenschülern zu tun hatte. „MultiKulti für alle“ hieß es jetzt auf einmal in der Arbeit mit 10 jungen Leuten, die gerade versucht haben, ihren Hauptschulabschluss nachzuholen. Dass die Arbeit zum Teil „krass“ war, zeigte sich auch in den von den Schülern selbst gewählten Themen, die sie auf die Bühne brachten. Das setting war eine U-Bahnfahrt in der U4, also einer Linie, die auch von den Schülern selbst im Alltag benutzt wird. Der Busfahrer, der einzige Schüler deut­scher Herkunft, sagte die Stationen an. Dazwischen äußerten sich die Schüler, die auf Stühlen in der Anordnung einer Bahn saßen, zu Themen wie Deutschland (Deutschland ist gestört, organisiert, multikulti etc) und was sie an Frankfurt lieben oder hassen. Dazwischen sang ein Schüler ein Lied. Die Beobachtung, dass die Eintracht keinen Fußball spielen kann, rief im Publikum unterschiedliche Reaktionen hervor. Die Arbeit fand mit den Schülern unter schwierigen Bedingen statt; hoher Krankenstand ist ein Grund, aber oft kommen sie einfach gar nicht. Von daher war die Sozialpädagogin begeistert, dass die Schüler die Aufführung überhaupt zu Stande gebracht haben und es auch noch so gut gelungen ist.

 

paradiesmedial & Ernst-Reuter-Schule 1

Christoph Maasch & Katja Pahn

 

Hier zeigte eine Partnerschaft lediglich einen Ausschnitt aus ihrer abendfüllenden Produktion, die nicht nur in der Schule, sondern ein Wochenende lang im Theater Landungsbrücken lief. Auf vielfältige Weise hat sich die Gruppe (DS-Kurs Jahrgang 12) mit dem Thema Gewalt und Medien beschäftigt, beispielsweise auch mit Umfra­gebögen, deren Fragen sich an Lehrer und Schüler richteten, die dann ausgewertet und theatral auf der Bühne wieder verarbeitet wurden. Ein paar Szenen hat die Gruppe heute für uns ausgewählt; besonders beeindruckend die, in der Schüler in abwechselnder Erzählweise von einer Schulhofbegebenheit berichten, in der ein kleiner Junge seinem zusammen geschlagenen Bruder als einziger versucht zu hel­fen. Der Text hat eine hohe literarische Qualität und ist von einer Schülerin selbst geschrieben worden. Aber es gab auch laute, aggressive Szenen: Gruppengewalt und Tötungsphantasien; typische U-Bahnszenen (hier die U1 „Heddernheimer Land­straße“) mit eskalierender Gewalt. Betroffenheit und Gleichgültigkeit als Reaktionen. Dass die Schüler in ihrem Prozess auch mit einer Tänzerin gearbeitet haben, zeigt sich besonders deutlich an der Szene, in der alle Schüler in einer beeindruckenden Langsamkeit robotergleich zuckend aus dem Liegen aufstanden, bis sie dann mit ebenfalls zuckenden Maschinengewehren auf das Publikum zielten. Als genialer Bruch: Zum Schluss werden Handküsschen geworfen. Die Ambivalenz der Jugendli­chen zu den Themen Jugend- und Mediengewalt blieb erhalten; eigene Lust am Ge­waltspiel, eigenen Gewaltphantasien wurden zugelassen; es gab keine „Lösung“, keinen einfachen Ausweg und (noch immer) keinen eindeutigen Beweis dafür, dass Medien „schuld“ sind an tatsächlich ausgeübter Gewalt. Trotzdem, eine Schülerin erzählte von einem TUSCH-Präsentationsnachmittag im vergangen Jahr, wo sie ge­rade mit ihrem Stück begonnen hatten und einen Ausschnitt im Schultheater zeigten. Anwesend war unter anderem noch eine Grundschulklasse aus der Nordweststadt. Dass diese Kinder bereits Filme wie „Saw“ und Figuren wie „Jigsaw“ kannten, hat die Gymnasiastin doch schockiert. Ein Jahr Auseinandersetzung mit Medien und Gewalt sensibilisiert die Wahrnehmung für das, was um uns geschieht.


 

theaterperipherie & Salzmannschule

Philipp Haines & Martina Kienle und Hartmut Prescher

 

Diese Partnerschaft hat in ihrem dritten gemeinsamen Jahr miteinander gearbeitet und stand bereits im Programm, um am 5. Juni statt in der Naxos Halle bei den Frankfurter Schultheatertagen im gegenüberliegenden Mousonturm ihre gesamte Produktion zu zeigen. Es hat einige Gespräche zur Annäherung von TUSCHpektakel und FSTT gegeben; daher auch die Terminwahl des SCHpektakels innerhalb der FSTT. Durch Erkrankung einiger Schüler, unter anderem der Verdacht auf EHEC, musste die Aufführung jedoch leider abgesagt werden. Dennoch hat diese Partner­schaft so viel Arbeit geleistet, dass an dieser Stelle die Highlights des Jahres ge­nan<